Bis vor Kurzem dachte ich, dass es mittlerweile Konsens ist, dass Schlaftrainings ethisch mindestens zweifelhaft sind. Doch dann erscheint in der Zeit ein Artikel mit dem Titel "Wie mein Kind schlafen lernte (ja, mit der Ferber-Methode)" und dem ersten Satz, dass Babyschlaftrainings in der bindungsorientierten Elternbubble wie Kindesmisshandlung verteufelt werden würden.
Ich bin tatsächlich etwas sprachlos, dass die Zeit einen solchen Artikel abdruckt. Die Ferber-Methode oder auch das kontrollierte Schreienlassen sind Kindesmisshandung. Doch um was geht es in dem Artikel eigentlich? Das Ferbern oder auch kontrolliertes schreien lassen (im deutschsprachigen Raum hauptsächlich bekannt geworden durch das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" von Kast-Zahn) ist eine Methode, bei der Grundbedürfnisse eines Babys oder Kindes einfach igrnoriert werden. Häufig fällt es Eltern auch nicht leicht ein solches Schlaftraining durchzuführen.
Beginnen wir am Anfang... Viele Babys schlafen nicht so, wie sich das unsere Gesellschaft vorstellt. Die Idealvorstellung wäre, dass man ein Kind zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett legt, ihm dreimal über den Rücken streichelt und es schläft bis zum nächsten Morgen ohne sich zu melden. Viele Babys schlafen aber genauso nicht und die Hauptbezugsperson, die die nächtliche Betreuung übernimmt, leidet früher oder später an Schlafmangel und Schlafmangel ist nicht umsonst eine Foltermethode.
Verzweifelte Eltern, die unter Schlafmangel leiden greifen verständlicherweise zu jedem Strohhalm. Wenn plötzlich eine Zeitung einen Artikel wie diesen veröffentlicht und diese Methode Erfolg verspricht, dann wird vielleicht auch sie zu einem Strohhalm.
Bei der Ferber-Methode wird ein Baby ins Bettchen gelegt, bekommt eine gute Nacht gewünscht und die Eltern lassen es nach einem vorgegebenen Zeitplan schreien. Dann gehen sie wieder ins Zimmer. Es wird davon abgeraten das Baby hochzunhmen oder dem Baby auf andere Art Nähe zu schenken. Die Eltern sollen kurz mit dem Baby sprechen und dann das Zimmer wieder verlassen. Beruhigt sich das Baby nicht sofort, bleiben sie dann länger draußen. dieser Vorgang wird so lange wiederholt bis das Baby alleine einschläft. Sollte das Baby so sehr weinen, dass es sich erbricht, sollen die Eltern das Erbrochene emotionslos säubern und die Methode fortsetzen. Ist das kind bereits größer, sollen die Eltern es in ein Gitterbett legen oder im Zimmer einsperren.
Im Regelfall geben Babys das Weinen relativ schnell auf. Unsere Babys sind sehr kompetent und sie verstehen schnell, wenn sich das sehr anstrengende und energieraubende Weinen nicht lohnt. Sie stellen es dann ein. Hat ein Kind auf diese Art gelernt entspannt einzuschlafen? Sicherlich nicht. Das Kind hat gelernt, dass es sich in höchster Not befindet, um Hilfe ruft, aber seine engsten Berzugspersoen kommen nicht und helfen ihm nicht. Eine tiefere Erschütterung für das Urvertrauen und die Elten-Kind-Bindung kann es nicht geben. Babys und Kleinkinder brauchen Hilfe beim Einschlafen. Sie weinen nicht um ihre Eltern zu ärgern oder zu manipulieren, sondern weil sie sich noch nicht selbst regulieren können und weil sie zum Erlernen der Selbstregulation zunächst die Co-Regulation durch ihre Eltern brauchen.
Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise darüber, ob die Ferber-Methode einem Kind schadet. Aber dass es diesen Nachweis nicht gibt, liegt daran, dass man eine solche Studie ethischen Grundsätzen widersprechen würde. Und nur weil es diesen Nachweis nicht gibt, bedeutet das nicht, dass diese Methode keinen Schaden anrichtet.
Was ich am Titel des Buches "Jedes Kind kann schlafen lernen" besonder störend finde, ist die Tatsache, dass Kinder schlafen können. Sie müssen nicht zu lernen. Sie schlafen so wie Babys oder Kinder schlafen und diese Art zu schlafen bringt ihnen viele Vorteile, sonst hätte die Natur es nicht so eingerichtet. Was die Gesellschaft erwartet, ist aber etwas ganz anderes. Richtigerweise müsste das Buch heiße "Jedes Kind soll schlafen lernen, so wie unsere Gesellschaft das haben möchte!" Kinder können schlafen, sie brauchen nur die richtigen Bedingungen.
Bist du verzweifelt, weil du keine Nacht richtig schlafen kannst? Wünschst du dir auch mal wieder eine Nacht unghestört schlafen zu können? Denkst du darüber nach, ob ein Schlaftraining auch dir helfen könnte?
Komme in einen meiner Babschlafworkshops oder melde dich für ein persönliches Gespräch. Wir werden eine Lösung finden, dass du wieder mehr Schlaf bekommst und dein Baby nicht weinen lassen musst.

