Du hast dir lange überlegt, was es heute zu essen geben soll, dann frisch gekocht. Das Essen steht auf dem Tisch, doch dein Kind möchte nur den Nachtisch essen und von dem leckeren Brokkoliauflauf nichts wissen. Kennst du diese Situation? Also gibt es künftig den Nachtisch erst dann, wenn vom Brokkoliauflauf wenigstens probiert wurde. Schließlich kann das Kind ja nicht behaupten, dass es den Brokkoliauflauf nicht mag, es hat ihn schließlich noch nie probiert. Völlig logisch, oder?
Die Szene kommt so oder in Abwandlungen sicher vielen Eltern bekannt vor. Das Kind lehnt etwas frisch Gekochtes ab, ohne jemals davon probiert zu haben. Der Gedanke liegt nahe, dass das Kind probieren soll und danach entscheiden kann, ob ihm der Brokkoliauflauf wirklich nicht schmeckt. Und falls es doch schmecken sollte, gibt es endlich eine Gemüsesorte, die das Kind essen wird.
Das, was in diesem Beispiel passiert, ist der klassische erzwungene Probierlöffel. Der erzwungene Probierlöffel führt nicht zum erhofften Ergebnis. Vielmehr hat er das Potential das genaue Gegenteil zu bewirken. Dennoch gibt es auch noch Betreuungseinrichtungen, in denen der erzwungene Probierlöffel zur Tagesordnung beim gemeinsamen Mittagessen gehört.
Doch, was genau passiert da eigentlich?
Kinder kommen in der Regel mit Eintritt in die Autonomiephase in eine Phase, in der sie in gewissem Maße picky werden. D. h. plötzlich lehnen sie neue Lebensmittel total ab. Doch nicht nur Unbekanntes, zum Teil werden auch Lebensmittel abgelehnt, die bereits akzeptiert waren. Das ist völlig entwicklungsgerecht. Kinder werden zu dieser Zeit mobiler, bewegen sich weiter aus dem direkten Umkreis der Eltern hinweg und die Natur hat es so eingerichtet, dass sie dann nur Dinge essen, die sie sicher als genießbar identifizieren können. Dazu kommt noch, dass grüne Lebensmittel eher abgelehnt werden als bunte Lebensmittel. Kinder sind von der Natur so ausgestattet, dass sie Süßes bevorzugen und Bitteres und Saures eher ablehnen, da dies in der Natur für Ungenießbarkeit sprechen kann. Kinder riechen und schmecken intensiver als wir Erwachsenen.
Aus Sicht der Eltern spielt sich die Geschichte ungefähr so ab: Eltern möchten ihre Kinder gut und gesund ernähren. Entsprechend haben Eltern abgespeichtert, dass Brokkoli gesund ist und Schokocreme ungesund. Aus diesem Grund ist es ihnen wichtig, dass das Kind zuerst den Brokkoli isst und die Schokocreme nur den Platz im Bauch einnimmt, der dann noch leer ist. Das Kind soll doch bitte zuerst den guten Brokkoli essen und danach die schlechte Schokolade.
Aus der Sicht des Kindes spielt sich die Geschichte ganz anders ab: Das Kind sieht die Schokocreme, es freut sich darauf und möchte sie unbedingt probieren. Den Brokkoliauflauf hat es bereits gesehen. Die Optik ist schon nicht so toll und dann erst der Geruch. Nein, da verzichtet das Kind lieber. Und dann wollen Mama und Papa auch noch, dass das Kind zuerst diesen ekelhaften Brokkoli probieren muss, bevor es endlich die leckere Schokocreme essen darf. Noch Jahre später ist ihm der ekelhafte Brokkoli in Erinnerung, den es probieren und essen musste.
Der erzwungene Probierlöffel ist das, was der Name schon sagt: Zwang. Selbst, wenn der Grundgedanke (dem Kind Genmüse nahe zu bringen, seine Nahrungspalette zu erweitern und für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung zu sorgen) absolut verständlich ist, rechtfertig dies keinen Zwang am Esstisch. Druck und Zwang beim Essen führen niemals zu besseren Essgewohnheiten. Beim Kind wird die Schokoladencreme überhöht und der Brokkoli als das abgewertet, was gegessen werden musste um an die gute Schokoladencreme zu kommen.
Druck und Zwang beim Essen führen nicht zum gewünschten Ergebnis und können schlimmstenfalls auch Esstörungen zur Folge haben. Dass Kinder picky werden ist in gewissem Maße entwicklungsbedingt, dass sie grünen und bitteren Lebensmitteln eher skeptisch gegenüber stehen ebenfalls. Wenn die Mahlzeiten bei euch regelmäßig stressig sind, du dir Sorgen machst um die Essensauswahl deines Kindes oder du dir Sorgen machst, wegen des Essverhaltens deines Kindes, melde dich gerne bei mir. Nähere Informationen zum Phänomen Picky Eating und den Buchungsmöglichkeiten findest du hier.

