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Kolostrum gewinnen in der Schwangerschaft - Ein Erfahrungsbericht

Kolostrum gewinnen in der Schwangerschaft kann bei bestimmten Indikationen angezeigt sein; z.B. bei einem mütterlichen Schwangerschaftsdiabetes oder einem Diabetes von Typ I oder II. In diesen Fällen kann es passieren, dass das Baby nach der Neugeburt recht schnell unterzuckert und mit bereits gewonnenem Kolostrum kann dem entgegegewirkt werden.

Daneben macht es auch Sinn, wenn in der Schwangerschaft bestimmt Erkrankungen festgestellt werden, die möglicherweise ein Saugen an der mütterlichen Brust erschweren oder auch, wenn das Baby nicht so gut gewachsen ist, wie man es hätte erwarten dürfen.

Ansonsten wird die Kolostrumgewinnung nicht unbedingt angeraten.

Hatte ich eine dieser Indikationen? Nein! Dennoch habe ich mich dazu entschlossen, Kolostrum in der Schwangerschaft zu gewinnen. Jetzt fragt ihr euch vielleicht warum... Weil bei meiner großen Tochter stillen eine Vollkatastrophe war oder besser ausgedrückt: es kam nie dazu. Unsere große Tochter ging nie an die Brust, sie hat geschrien ohne Ende, sie bekam meine Brust in den Mund gesteckt, es wurde Glukoselösung drauf geträufel und sie bekam sie in den Mund gesteckt, es gab Stillhütchen und ich habe Pumpmarathone hingelegt ohne jemals einen Tropfen Milch zu sehen. Dabei wurde der Druck immer größer, dass das Kind Milch braucht und ich wurde immer verzweifelter, weil ich das Gefühl hatte zu versagen. Ich wusste nicht, warum das Kind nicht an die Brust wollte und habe mit Pumpen keinen einzigen Tropfen Milch gewonnen.

Von Kolostrumgewinnung per Hand wusste ich damals noch nichts und gezeigt hat es mir auch niemand. In dieser verzweifelten Situation, das Kind bekam dann nach 24h Pre-Nahrung, habe ich irgendwann aufgegeben. Vielleicht zu früh, vielleicht auch nicht. Meine Ressourcen haben damals nicht für mehr gereicht.

Andererseits gab es die Lösung für unser Problem auch erst knapp vier Monate später. Als unsere Tochter sich auf den Bauch drehte, hat sie nur in eine Richtung geschaut und den Kopf nicht gedreht. Zudem hat sie auch dabei ganz schlimm geweint. Unsere Kinderärztin hat direkt auf eine Blockade getippt und uns zur Osteopathie überwiesen. Nach einem einstündigen Termin ging es unserer Tochter gut. Sie kam auf den Bauch und hat direkt den Kopf gedreht und war fröhlich.

Viel spannender war aber, dass die erste Frage der Osteopathin lauetete "Konnten Sie dieses Kind jemals stillen?", was ich verneinen musste und die zweite Frage daraufhin "Wurde bei Ihnen unter der Geburt kristellert?", was ich bejahen musste.

Im Nachhinein war ich nicht zwingend schlecht vorbereitet. Ich habe viele Fragen gestellt und gebeten unsere Tochter anzuschauen. Auf den Zusammenhang zwischen kristellern (für das ich damals noch gar keinen Begriff hatte) und der Tatsache, dass unsere Tochter dadurch eine schmerzhafte Blockade haben könnte, bin ich nicht gekommen. Im Krankenhaus aber offensichtlich auch niemand.

Deshalb wollte ich diesmal besser vorbereitet sein, als damals. Das gewonnene Kolostrum könnnte es uns ermöglichen Zeit zu gewinnen, zudem konnte ich so bereits die Handgewinnung üben.

Die ersten Versuche nach Anleitung verliefen eher demotivierend, da nichts kam. Ich gehöre auch nicht zu den Frauen, die bereits in der Schwangerschaft Stilleinlagen brauchen oder unter der Dusche Milch verlieren. Doch nach einigen Tagen, als ich schon dachte, es funktioniert bei mir nicht, konnte ich die ersten Tropfen gewinnen. Und tatsächlich klappte es dann schnell so gut, dass ich an den meisten Tagen 2ml Kolostrum gewinnen und einen Vorrat für die Klinik anlegen konnte.

Durchhalten lohnt sich definitiv. Unnd nur weil bei manchen Frauen die Milch mehr oder weniger schon in der Schwangerschaft läuft, heißt das nicht, dass bei einem selbst nichts kommt.